Es ist allgemein bekannt, dass der Lauf der Geschichte immer eine Kette von Ursache und Wirkung darstellt, jedes historische Ereignis hat einen Anfang. Für den Großpolnischen Aufstand war dieser Impuls die feierliche Ankunft des herausragenden Pianisten und Staatsmanns Ignacy Jan Paderewski in Polen, der eine Persönlichkeit war, die im Westen Europas und in den Vereinigten Staaten bekannt und anerkannt war. Dank seines Talents erlangte er Respekt und Anerkennung. Er wurde „in Salons“ empfangen, und sein Ruhm verschaffte ihm zahlreiche Kontakte. Er war stets Patriot und sehr engagiert in polnischen Angelegenheiten. Die Deutschen, für die er eine unbequeme Legendenfigur war, wussten, dass seine Ankunft die Grundlage für Aufstände der polnischen Bevölkerung sein könnte.

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Am 25. Dezember 1918 legte der Kreuzer „Concorde“ im Hafen von Danzig mit dem Passagier Ignacy Jan Paderewski, seiner Ehefrau sowie den sie begleitenden Vertretern der englischen Missionsoffiziere an Bord an. Vom Moment der Ankunft des Komponisten in Polen und der Bekanntgabe des Besuchs in Posen an starteten die deutschen Behörden eine Aktion, um diesen Plänen entgegenzuwirken. Am 26. Dezember 1918 fuhr Ignacy Jan Paderewski mit der Eisenbahn die Strecke Piła – Rogoźno – Oborniki – Posen. (Bis heute befinden sich in Piła und Oborniki Tafeln, die an seinen kurzen Aufenthalt an den dortigen Bahnhöfen erinnern.)

An den nächsten Stationen kam es zu Vorfällen, die von der deutschen Seite provoziert wurden. In Rogoźno versuchten deutsche Offiziere, den Pianisten zu bewegen, seine Route zu ändern und direkt nach Warschau weiterzufahren. Dies gelang nicht… Die Stimmung der polnischen Bevölkerung aber war anders; sie empfingen den herausragenden Gast mit Jubel.

Am 26. Dezember 1918 um 2110 fuhr der Zug mit Meister Paderewski in den Seitenbahnhof (kaiserlichen) in Posen ein. Die Deutschen unternahmen den letzten Versuch, den ungebetenen Gast aufzuhalten. Es war jedoch schon zu spät. Die deutschen Offiziere wurden festgenommen, und auch das Ausschalten des Lichtes in ganz Posen nützte nichts. Die vorbereiteten Polen begrüßten den Ehrengast im Schein von mehreren hundert Fackeln. Auf diese Weise ermöglichten die Deutschen unbewusst die Schaffung einer unvergleichlichen Atmosphäre dieses Ereignisses. Nach den Begrüßungsreden und dem Singen patriotischer Lieder wurden die Gäste zum Hotel Bazar gefahren. Vor dem Hotel wurden das Ehepaar Paderewski und die anderen Delegierten vom Begrüßungskomitee unter Leitung des Oberbürgermeisters von Posen, Jarogniew Drwęski, sowie Mitgliedern der Kommissariate des Obersten Volksrats empfangen. Aus dem Fenster über dem Eingang des Hotels Bazar sprach der weltberühmte Pianist zur versammelten Menschenmenge auf dem Wilhelmplatz (dem heutigen Freiheitplatz).
Am nächsten Tag, dem 27. Dezember 1918, wurden feierliche Kinderdemonstrationen organisiert, die zum Bazar marschierten und fröhlich mit Fähnchen jubelten. Die Deutschen, die die Euphorie der Polen sahen, unternahmen einen letzten Versuch, den Status quo vor der Ankunft des Pianisten aufrechtzuerhalten. Aktive einheimische Deutsche und Gruppen von Soldaten des 6. Grenadierregiments organisierten einen Gegenmarsch, der sich von den Kasernen an der Kreuzung der heutigen Straßen Szylinga und Bukowska über die Zwierzyniecka Straße (Treffen auf dem Gelände des Zoos) weiter über die Straße des Heiligen Martin erstreckte und dabei auf dem Weg den Sitz des Kommissariats des Obersten Volksrats zerstörte, in Richtung Freiheitplatz. Während des Marsches wurden an den Balkonen privater Wohnungen aufgehängte Flaggen der Entente-Staaten heruntergerissen.

In Bereitschaft warteten die polnischen Einheiten des Sicherheits- und Schutzdienstes sowie der Volkswache. Vor 17 Uhr geriet die Situation außer Kontrolle. Schüsse fielen. Das erste Opfer war Franciszek Ratajczak1 – Soldat der 2. Kompanie des Sicherheits- und Schutzdienstes (eine Einheit, die von den Deutschen gegründet wurde, um die Ausbreitung revolutionärer Ideen zu verhindern, in der ein großer Teil Polen waren). Die Kompanie von Franciszek Ratajczak marschierte zum Bazar, wo Ignacy Jan Paderewski verweilte, und als die Kompanie sich an der Kreuzung der heutigen Straßen Ratajczaka und 27 Grudnia befand, fielen Schüsse aus einem Maschinengewehr. Das Feuer kam vom Polizeipräsidium, das sich an der heutigen Straße 3 Maja befindet. Der schwer verwundete Franciszek Ratajczak starb wenige Stunden später im nahegelegenen Krankenhaus.

In diesem Moment brach der Aufstand aus... Zwei Tage später war fast ganz Posen in polnischer Hand. Innerhalb von wenigen Wochen kontrollierten die Aufständischen bereits ein Gebiet von ca. 25.000 km². Anfangs führte Major Stanisław Taczak die Aufständischen Armeen an, ab Mitte Januar 1919 General Józef Dowbor-Muśnicki. Die Nachrichten über die Ereignisse in Posen verbreiteten sich blitzschnell über die gesamte Provinz. Gleichzeitig wurde am 27. Dezember in Zbąszyń eine geheime Versammlung im Saal von Herrn Felner (dem heutigen „Senator“) einberufen, zu der alle jungen polnischen Patrioten eingeladen wurden, die bereit waren, für die Unabhängigkeit ihrer Heimat zu kämpfen. Nun meldeten sich anstehend auf das Zeichen Freiwillige aus der ganzen Region. In den einzelnen Dörfern entstanden Gruppen, die sich später zu Zügen und Kompanien zusammenschlossen. An ihrer Spitze standen meist Soldaten, die zuvor in den Reihen der deutschen Armee gekämpft hatten.

Zbąszyń, als wichtiger Verkehrsknotenpunkt, wurde zum ersten Ziel der Aufstandsaktivitäten. Zum ersten Mal wurde am 6. Januar 1919 versucht, den Bahnhof zu erobern, der zweite Angriff fand vom 10. auf den 11. Januar statt. Obwohl beide Aktionen erfolglos blieben, entmutigte dies die Aufständischen nicht – sie kämpften weiter... bis zum Sieg.

Fortsetzung folgt.

1 Heute trägt eine der Hauptstraßen von Posen den Namen Franciszek Ratajczaks.

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